Mittwoch, 13. Juli 2011

Demo vor Haus eines verurteilten Kriegsverbrechers geplant

Artikel aus den Potsdamer Neuesten Nachrichten vom 13.07.11

Ein 91-jähriger Ex-Wehrmachtshauptmann wurde in Italien verurteilt - und lebt unbehelligt in Berlin. Linke wollen vor seinem Wohnhaus in Reinickendorf demonstrieren. 

Berlin - Idylle gilt ja immer als trügerisch – und in den ruhigen Ecken von Reinickendorf ist es sehr idyllisch. An diesem Dienstag strahlt die Mittagssonne, die Vögel zwitschern, sonst herrscht Stille. Eine Frau führt einen gelockten Hund aus, sonst ist einzig ein radelnder Postbote unterwegs. Das mit der Ruhe wird sich am Sonnabend ändern. Antifaschisten wollen in einer ruhigen Reinickendorfer Nebenstraße gegen den Anwohner Helmut O. demonstrieren. Der 91-Jährige wohnt seit Jahren in der stillen Straße, Nachbarn ist er bisher nicht aufgefallen. Die Polizei erwartet rund 50 Linke zu der Kundgebung. Das Motto: „Nazi-Kriegsverbrecher aus der Anonymität holen!“.

Dieser Zeitung sagte der Mann, ein Kriegsverbrecher sei er nicht.

Fest steht, Helmut O. war 1944 in Italien bei der Wehrmachtsdivision „Hermann Göring“, die als Truppe „mit besonderem Auftrag“ gilt. Ein Militärgericht im italienischen Verona befand den 91-Jährigen und sechs weitere Wehrmachtsangehörige vergangene Woche für schuldig, im Frühjahr 1944 an Massakern in Norditalien beteiligt gewesen zu sein. Dabei wurden mehr als 350 Zivilisten ermordet. Bei der sogenannten Partisanenbekämpfung hatten deutsche Einheiten ganze Orte niedergebrannt. Das Gericht verhängte eine lebenslange Haftstrafe.

In einem Haus sitzen Helmut O. und seine Frau in einem aufgeräumten Wohnzimmer. Von zahlreichen Fotos auf der Schrankwand lächeln die Enkel, Teppich und Tischdecke sind flusenfrei. Wegen des angekündigten Protestes ist Helmut O. aufgeregt. Über die geplante Kundgebung habe ihn niemand informiert. Ob die Polizei den Wehrmachtsmann schützt, sagte die Behörde am Dienstag nicht. „Ich war damals nicht dabei, ich lag mit meiner Einheit ganz woanders“, sagt er. An „Erschießungen von Zivilisten“ sei er nicht beteiligt gewesen. Das Urteil aus Italien habe er noch nicht zugestellt bekommen, von dem italienischen Richterspruch höre er das erste Mal, sagt Helmut O. Nach eigener Auskunft hatte er 1944 als Wehrmachtshauptmann bis zu 250 Soldaten befehligt.

Vor Jahren hatten ihn die deutschen Behörden auf Gesuch der Italiener allerdings ausführlich über die Ermittlungen informiert. Und auch die deutsche Zentralstelle für die Bearbeitung von nationalsozialistischen Massenverbrechen, die in Nordrhein-Westfalen angesiedelt ist, hat parallel gegen O. ermittelt.

Montag, 11. Juli 2011

NS-Täter lebt in Reinickendorf

Artikel aus dem Tagesspiegel vom 12.07.11

Ein 91-jähriger ehemaliger Wehrmachtssoldat ist in Italien in Abwesenheit verurteilt worden - zu lebenslanger Haft. Er lebt in Reinickendorf. 

Der ehemalige Wehrmachtssoldat Helmut O., der vergangene Woche in einem der letzten großen NS-Prozesse in Italien in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt worden ist, lebt in einem Wohnhaus in Reinickendorf. Ein Militärgericht in Verona befand den 91-Jährigen und sechs weitere Wehrmachtsangehörige für schuldig, im Frühjahr 1944 an Massakern in Norditalien beteiligt gewesen zu sein. Dabei wurden mehr als 350 Zivilisten ermordet. Trotzdem wird der Berliner nicht ausgeliefert.
Eine Sprecherin des Bundesjustizministeriums wies darauf hin, dass Deutschland nur dann eigene Staatsbürger zum Haftantritt ausliefere, wenn diese dem zustimmten.
Ein Absitzen der Strafe in Deutschland wiederum sei zwar möglich, Italien müsse dazu aber bestimmte Voraussetzungen erfüllen. So müsse den deutschen Behörden dargelegt werden, dass der Angeklagte ordnungsgemäß vorgeladen war und die Möglichkeit zur Verteidigung hatte. Ob Italien um eine Vollstreckung der Strafe in Deutschland gebeten hat, war nicht in Erfahrung zu bringen.
Am kommenden Sonnabend wollen linke Gruppen gegen den früheren Wehrmachtssoldaten vor dessen Wohnhaus demonstrieren. Helmut O. gehörte zur Division „Hermann Göring“. Während der sogenannten „Partisanenbekämpfung“ wurden von deutschen Einheiten in der Toskana und der Emilia Romagna ganze Ortschaften niedergebrannt. Die Organisatoren der Proteste am kommenden Sonnabend fordern, dass „NS-Mörder ausgeliefert werden und sich dem italienischen Gericht und den Angehörigen der Ermordeten stellen“.

Lebenslang für zweiten Niedersachsen wegen Massakern der Wehrmacht in Italien

Osnabrück/Verona. Wenige Tage nach dem Urteil im Kriegsverbrecher-Prozess um Massaker 1944 in Norditalien werden immer neue Details bekannt. Neben dem 93-jährigen Osnabrücker ist auch ein 86-Jähriger aus dem Landkreis Stade in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ihm kam die Polizei mit Telefonüberwachung auf die Spur.

Während der Osnabrücker seine Unschuld beteuert, hat der Ex-Soldat aus dem Kreis Stade nach Informationen unserer Zeitung in einem von der Polizei abgehörten Telefonat seine Schuld eingeräumt. Damit wurde im letzten großen Kriegsverbrecherprozess gegen zwei Niedersachsen die Höchststrafe ausgesprochen.

Mit dem Urteil im norditalienischen Verona scheinen sich jetzt die Akten um die Verbrechen deutscher Soldaten im Zweiten Weltkrieg zu schließen. Die Täter sind hochbetagt oder längst verstorben, die Taten liegen rund sieben Jahrzehnte zurück. Die Morde der Wehrmacht erscheinen wie Geschichten aus einer anderen Zeit. Doch dieser Eindruck täuscht. Zumindest die Massaker der Panzer-Fallschirm-Division „Hermann Göring“ werden die Gerichte voraussichtlich noch Jahre beschäftigten.
Robert Seidler, Anwalt des 93-jährigen Osnabrücker Ex-Leutnants, rechnet damit, dass sich das Berufungsverfahren bis Ende nächsten Jahres hinziehen wird. Er werde alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, den Schuldspruch gegen seinen Mandanten anzufechten. Denn der 93-Jährige sei unschuldig, so Seidler. In fünf von sieben Anklagepunkten sei der Osnabrücker freigesprochen worden. Und selbst die Verurteilung auf Grundlage der anderen beiden Punkte beruhe auf der falschen Annahme, dass der Osnabrücker gewusst habe, dass Soldaten aus seiner Kompanie zu den Tötungseinsätzen abkommandiert worden seien. „Das war nicht so“, betont Seidler.

Sonntag, 10. Juli 2011

Sieben ehemaligen Soldaten der Fallschirm-Panzer-Division „Hermann Göring“ sind am 06. Juli in Italien zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Außerdem müssen sie die Kosten des Verfahrens tragen und hohe Entschädigungen an die Opfer zahlen. Die Bundesrepublik Deutschland wurde zur Gesamtschuldnerischen Haftung verurteilt.

Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass die Verurteilten an Massakern von Einheiten der Fallschirm-Panzer-Division „Hermann-Göring“ in der Emilia-Romagna und der Toscana beteiligt waren und des gemeinschaftlich begangenen, mehrfachen, schweren Mordes schuldig sind. Verurteilt wurden: Hans Georg Karl Winkler (für die Massaker am Monte Falterona und in Mommio), Fritz Olberg, Wilhelm Karl Stark (für die Massaker in Cervarolo, Mommio und am Monte Falterona), Ferdinand Osterhaus (für die Massaker in Monchio, Susano und Costrignano und Mommio), Helmut Odenwald (für die Massaker in Monchio, Susano und Costrignano, am Monte Morello und am Monte Falterona), Alfred Lühmann (für die Massaker in Monchio, Susano und Costrignano und am Monte Falterona), Erich Koeppe (für die Massaker am Monte Morello und am Monte Falterona). Bei diesen Massakern wurde etwa 400 Zivilisten ermordet: Kinder, Alte, Frauen, Männer, unterschiedslos und oft auf grausame Art und Weise.

Kundgebung am Sa, 16. Juli 2011 in Berlin

KEINE RUHE DEN NS-TÄTERN!

Tatort: Norditalien, 1944.
Wohnort: Berlin-Reinickendorf, 2011.

Vor einigen Tagen am 06. Juli wurde ein Berliner Senior vor dem italienischen Militärgericht in Verona in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt. Er beteiligte sich als Angehöriger der Wehrmachtsdivision „Hermann Göring” an Massakern in Nord-Italien, bei denen mehrere Hundert unbeteiligte ZivilistInnen ermordet wurden. Trotz der rechtskräftigen Verurteilung müssen der Verurteilte seine Haftstrafe nicht antreten, da der deutsche Staat ihn nicht ausliefert. Dies hat Tradition: Die wenigsten NS-Täter wurden für ihre Taten bestraft. In Deutschland wird man nicht gerne daran erinnert, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus von Deutschen begangen wurden.

Daher leben die Täter weiterhin ungestört in Ihrer Nachbarschaft - einer von Ihnen auch in Reinickendorf!

Wir werden diese Verhältnisse ändern:
Deshalb gehen wir in die Nachbarschaft des NS-Kriegsverbrechers und zeigen ihm, dass die ruhigen Zeiten vorbei sind! Nazi-Kriegsverbrecher aus der Anonymität holen!

Am Samstag, den 16. Juli 2011 rufen wir zu einer Kundgebung in der Nähe des Wohnhäuses auf.
Wir fordern, dass NS-Mörder ausgeliefert werden und sich dem italienischen Gericht und den Angehörigen der Ermordeten stellen!

Kein Vergeben, kein Vergessen den NS-Verbrechen!

Kundgebung am Sa, 16. Juli 2011 in Berlin
12.00 Uhr Reinickendorf: Becherweg / Lübener Weg (U8 Paracelsusbad)

Mehr Infos: http://ns-prozesse.blogspot.com

Mittwoch, 6. Juli 2011

Neun deutsche NS-Täter in Italien zu lebenslänglich verurteilt

DPA meldet:

Verona (dpa) - In einem der letzten großen Prozesse gegen NS-Täter sind in Italien neun Deutsche in Abwesenheit zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Ein Militärgericht in Verona befand die früheren Wehrmachtsangehörigen für schuldig, im Frühjahr 1944 an Massakern in Norditalien beteiligt gewesen zu sein. Dabei starben insgesamt etwa 400 Zivilisten. Drei weitere Angeklagte waren während des Prozesses gestorben. Deutschland weigere sich bis heute, Täter aus der NS-Zeit ohne ihr Einverständnis auszuliefern, hatte die Arbeitsgemeinschaft Reggio-Emilia als Prozessbeobachterin kritisiert.

Dienstag, 5. Juli 2011

Heute Urteil erwartet

Heute ist in Verona im Prozess gegen Angehörige der Wehrmachtseinheit "Herman Göring" mit einem Urteil zu rechnen. Einzelheiten zu den Urteilen wird es hier auf den Blog geben. Da auch PressevertreterInnen von RTL und anderer Fernsehanstalten vor Ort sind, wird wohl auch in den TV-Nachrichten über die Urteile berichtet werden.