Einige Infos von der Prozessbeobachterin Marianne Wienemann, warum sich die Urteilsverkündung im Prozess gegen ehemalige Angehörige der Wehrmachtsdivision "Hermann Göring" immer wieder verschiebt:
"Aktuell sind es unerwartet lange Plädoyers, immer wieder notwendige Sitzungen der Richter, um Entscheidungen in Verfahrensfragen zu treffen oder - wie gestern geschehen - das Einbringen neuer Beweismittel von Seiten der Staatsanwaltschaft. Letzteres bedeutet, dass das ganze Verfahren "einen Schritt zurück gehen muss", d.h. den Anwälten muss die Gelegenheit gegeben werden, zu diesen neuen Beweismitteln Stellungnahmen abzugeben. Ist dann die Phase der Plädoyers abgeschlossen folgen die Repliken, deren Dauer nicht bekannt ist, und erst danach ziehen sich die Richter zur Beratung und Entscheidung über die Urteile zurück. Das Ganze dauert.
Das Gericht wollte ursprünglich schon im Frühjahr die Urteile fällen, dann hat es den 22. Juni genannt, danach den 5. Juli und jetzt den 6. Juli als wahrscheinlich bezeichnet, es kann aber auch der 7. Juli oder ein noch späterer Termin sein."
Wir werden Euch hier (http://ns-prozesse.blogspot.com/) auf dem Laufenden halten, wann mit einem Urteil zu rechnen ist. Aber auch ob und in welchen Städten es Veranstaltungen, Kundgebungen oder andere Reaktion bezüglich des Prozesses in Verona gibt.
Blog über aktuelle Prozesse gegen deutsche NS-Kriegsverbrecher
Freitag, 24. Juni 2011
Non Dimenticare mai! Soundtrack gegen das Vergessen
Diese Lieder sollen an die Massaker und deutschen Kriegsverbrechen in Italien erinnern. Sie verweisen darauf, daß Nazis und Faschist_innen bis heute weitestgehend ruhig und ungestört leben können. Die Opfer und ihre Familien aber sind traumatisiert und finden keine Ruhe. Der deutsche und der italienische Staat tun wenig um ihrer Verantwortung gerecht zu werden und endlich für eine Auseinandersetzung mit den Verbrechen zu sorgen. Ganz im Gegenteil, die juristische Aufarbeitung wurde in Italien bis 1994 und darüber hinaus ver- und behindert. In Deutschland werden italienische Urteile ignoriert und deutsche Kriegsverbrecher nach der Überführung aus Italien frei gelassen. Es ist Zeit, daß sich etwas ändert!
Soundtrack und weitere Infos auf der Seite von Analyse Kritik Aktion
Soundtrack und weitere Infos auf der Seite von Analyse Kritik Aktion
Mittwoch, 22. Juni 2011
Kundgebungen gegen NS-Kriegsverbrecher in Berlin verschoben
Im Prozess gegen die angeklagten Wehrmachtsangehörigen vor dem Militärgericht Verona hat sich die Urteilsverkündung voraussichtlich auf den 5. Juli 2011 verschoben. Aufgrund rechtlicher Beschränkungen in Deutschland und weil wir die Urteilsverkündung abwarten wollen, sind die Kundgebungen am 25. Juni in Weißensee und Reinickendorf erstmal ausgesetzt. Doch die Täter wohnen dort weiterhin ruhig in ihren Häusern, deshalb werden wir zeitnah nach den Urteilen vor ihre Häuser ziehen. Wir warten nur den taktisch günstigen Zeitpunkt ab, denn ob morgen, übermorgen oder nächste Woche: Die ruhigen Zeiten werden vorbei sein! Also haltet Augen und Ohren offen und informiert euch ab 5. Juli über die einschlägigen Internetseiten oder über: http://ns-prozesse.blogspot.com
Achtet auf aktuelle Ankündigungen!
Achtet auf aktuelle Ankündigungen!
Dienstag, 21. Juni 2011
Kundgebung gegen NS-Kriegsverbrecher in Berlin am 25. Juni
Keine Ruhe den NS-Kriegsverbrechern in unserer Nachbarschaft!
Tatort: Norditalien, 1944.
Wohnort: Reinickendorf, 2011.
Auch in Ihrer Nachbarschaft lebt ein verurteilter NS-Kriegsverbrecher: Gerade werden zwei Berliner Senioren vor dem italienischen Militärgericht in Verona in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt. Sie beteiligten sich als Angehörige der Wehrmachtsdivision „Hermann Göring” an Massakern in Nord-Italien, bei denen mehrere Hundert unbeteiligte ZivilistInnen ermordet wurden. Trotz der rechtskräftigen Verurteilung müssen die Verurteilten ihre Haftstrafe nicht antreten, da der deutsche Staat sie nicht ausliefert.
Dies hat Tradition: Die wenigsten NS-Täter wurden für ihre Taten bestraft. In Deutschland wird man nicht gerne daran erinnert, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus von Deutschen begangen wurden. Daher leben die Täter weiterhin ungestört in Ihrer Nachbarschaft, zwei Verurteilte auch in Weißensee und Reinickendorf.
Wir werden diese Verhältnisse ändern:
Deshalb gehen wir in die Nachbarschaft der NS-Kriegsverbrecher und zeigen ihnen, dass die ruhigen Zeiten vorbei sind! Nazi-Kriegsverbrecher aus der Anonymität holen!
Am Samstag, den 25. Juni 2011 rufen wir zu Kundgebungen in der Nähe der Wohnhäuser auf.
Wir fordern, dass NS-Mörder ausgeliefert werden und sich dem italienischen Gericht und den Angehörigen der Ermordeten stellen.
Kein Vergeben, kein Vergessen den NS-Verbrechen!
Kundgebungen am
Samstag, den 25. Juni 2011
14.00 Uhr Reinickendorf: Becherweg / Lübener Weg, Nähe U-Bhf. Paracelsus-Bad (U8)
Tatort: Norditalien, 1944.
Wohnort: Reinickendorf, 2011.
Auch in Ihrer Nachbarschaft lebt ein verurteilter NS-Kriegsverbrecher: Gerade werden zwei Berliner Senioren vor dem italienischen Militärgericht in Verona in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt. Sie beteiligten sich als Angehörige der Wehrmachtsdivision „Hermann Göring” an Massakern in Nord-Italien, bei denen mehrere Hundert unbeteiligte ZivilistInnen ermordet wurden. Trotz der rechtskräftigen Verurteilung müssen die Verurteilten ihre Haftstrafe nicht antreten, da der deutsche Staat sie nicht ausliefert.
Dies hat Tradition: Die wenigsten NS-Täter wurden für ihre Taten bestraft. In Deutschland wird man nicht gerne daran erinnert, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus von Deutschen begangen wurden. Daher leben die Täter weiterhin ungestört in Ihrer Nachbarschaft, zwei Verurteilte auch in Weißensee und Reinickendorf.
Wir werden diese Verhältnisse ändern:
Deshalb gehen wir in die Nachbarschaft der NS-Kriegsverbrecher und zeigen ihnen, dass die ruhigen Zeiten vorbei sind! Nazi-Kriegsverbrecher aus der Anonymität holen!
Wir fordern, dass NS-Mörder ausgeliefert werden und sich dem italienischen Gericht und den Angehörigen der Ermordeten stellen.
Kein Vergeben, kein Vergessen den NS-Verbrechen!
Kundgebungen am
Samstag, den 25. Juni 2011
14.00 Uhr Reinickendorf: Becherweg / Lübener Weg, Nähe U-Bhf. Paracelsus-Bad (U8)
Sonntag, 19. Juni 2011
Kriegsverbrecher-Prozess in Verona
| Artikel von Analyse Kritik & Aktion Berlin |
Non solo presente
Kriegsverbrecher-Prozess in Verona
Am 22. Juni soll im Militärgericht in Verona das Urteil über neun Kriegsverbrecher gesprochen werden, die sich zwischen März und Juni 1944 an Massakern in Nord-Italien beteiligt haben. Der Prozess, der am 11. November 2009 begann, betrifft Soldaten der Berliner Fallschirm-Panzer-Division "Hermann Göring", die sich in wenigen Jahren aus einer Kreuzberger Polizeieinheit mit „besonderen Aufgaben“ zu einer der größten und am besten ausgestatteten Wehrmachtsdivisionen entwickelte. Die Ermittlungen richteten sich gegen 14 Kriegsverbrecher. Davon wurden aufgrund des Todes der Täter lediglich 12 angeklagt. Im Verlaufe des Prozesses reduzierte sich die Zahl der angeklagten ehemaligen Wehrmachtssoldaten erneut. Die verbliebenen neun Nazis waren während des gesamten Verfahrens in Verona abwesend.Als im Juli 1943 die Alliierten in Sizilien gelandet waren, wurde Benito Mussolini vom Großen faschistischen Rat abgesetzt und gefangengenommen. Die neue italienische Regierung schloß am 8. September ein Waffenstillstandsabkommen mit den alliierten Streitkräften, worauf die deutschen Besatzungstruppen mit der Entwaffnung der italienischen Verbände und Gewalt gegen die Zivilbevölkerung reagierte. Mussolini wurde wenig später aus der Gefangenschaft befreit und in Norditalien das faschistische Terrorregime als sogenannte „Republik von Salò“ installiert.
Die Wehrmacht hinterließ bei ihrem Rückzug vor den vorrückenden alliierten Streitkräften eine blutige Spur. In zahlreichen Massakern töteten Soldaten hunderte Zivilist_innen. [1] Der für Italien verantwortliche deutsche Heeres- und Luftwaffenoffizier Albert Kesselring entfachte mit seinen sogenannten „Sühnemaßnahmen“ den Terror an der Bevölkerung in italienischen Städten und Dörfern. Der Vernichtungsfeldzug kostete tausende italienische Soldat_innen, Partisan_innen und vor allem Zivilist_innen das Leben. Ganze Dörfer wurden ausgelöscht. Das Vieh und landwirtschaftliche Produktion wurden vernichtet und Italiener_innen als Zwangsarbeiter_innen nach Deutschland verschleppt.
Die Elite der nationalsozialistischen Soldaten
Neben den Einheiten der Waffen-SS müssen bei diesem Vernichtungsfeldzug die Soldaten der Berliner Fallschirm-Panzer-Division „Hermann Göring“ besonders hervorgehoben werden.Samstag, 18. Juni 2011
Radiobeitrag zum Verona-Prozess
Eine interessante Sendung zu den Hintergründen des Massakers und den verhinderten Ermittlungen wurde bei Radio Corax Anfang Mai ausgestahlt und kann runtergeladen werden kann. Im Interview erzählt Matthias Durchfeld von Istoreco über die Hintergründe des Verfahrens.
Radio-Beitrag Radio Corax
Audiomitschnitt der Veranstaltung zum Verona-Prozess
Am 27.05.2011 fand in Berlin eine sehr interessante Veranstaltung zum aktuellen Prozess vorm Militärgericht in Verona gegen ehemalige Angehörige der Wehrmachtseinheit Hermann Göring statt.
Hier zur inhaltliche Einbettung noch einmal die Veranstaltungsankündigung zum Audiomitschnitt:
Hier zur inhaltliche Einbettung noch einmal die Veranstaltungsankündigung zum Audiomitschnitt:
Am 22. Juni wird das Urteil des Militärgerichts Verona gegen zehn ehemalige Wehrmachtsangehörige erwartet. Es ist einer der letzten NS-Prozesse dieser Größenordnung. Die Staatsanwaltschaft wird nach eigenen Angaben für alle Angeklagten lebenslange Haftstrafen beantragen. Nebenkläger sind hunderte Angehörige der Opfer, die Provinzen Toskana und Emilia Romagna und lokale Gemeindeverwaltungen. Die Angeklagten werden nicht vor Gericht erscheinen.
Den ehemaligen Angehörigen der Fallschirm-Panzerdivision „Hermann Göring“ wird vorgeworfen, im Frühjahr 1944 bei als „Partisanenbekämpfung“ getarnten Massakern in Norditalien über 400 ZivilistInnen ermordet zu haben. Trotz der Schwere der Vorwürfe wird in Abwesenheit der Angeklagten verhandelt. Deutschland weigert sich bis heute, Täter aus der NS-Zeit ohne ihr Einverständnis auszuliefern:
„Die deutsche Regierung ist dafür verantwortlich, dass keine der im Ausland verurteilten NS-Täter jemals ihre Haftstrafen antreten müssen, sondern hier unbehelligt ihren Lebensabend genießen können“, so Anne Lepper, Pressesprecherin der AG Reggio-Emilia. Ohne bisherige Berichterstattung in deutschen Medien findet der Prozess erst über 65 Jahre nach den Ereignissen statt. Viele Angehörige der Opfer sind mittlerweile gestorben.
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